Bezirksorganisation Mödling

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Lohnschere schließen

Bis Dienstag, 25.2.2020, haben Frauen in Österreich unbezahlt gearbeitet – verglichen mit Männern, die ab dem 1. Jänner des Jahres bezahlt werden. Der sogenannte Equal Pay Day weist auf die durchschnittliche ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen hin.

Wir wollen nicht mehr warten! Gefordert wird seitens der SPÖ Frauen:

  • KV-Mindestlohn von 1.700 Euro steuerfrei
  • Lohngesetz nach dem Vorbild Islands
  • Arbeitszeitverkürzung
  • bessere Bezahlung von frauentypischen Branchen
  • Rechtsanspruch auf einen ganztägigen und kostenfreien Kinderbetreuungsplatz

 „Wir müssen die Lohnschere endlich schließen“, sagte SPÖ-Frauenvorsitzende Gabriele Heinisch-Hosek aus Anlass desEqual Pay Days. Zentrale Forderungen der SPÖ sind ein kollektivvertraglicher Mindestlohn von 1.700 Euro steuerfrei, ein Lohngesetz nach dem Vorbild Islands, Arbeitszeitverkürzung, eine bessere Bezahlung von frauentypischen Branchen und ein Rechtsanspruch auf einen ganztägigen und kostenfreien Kinderbetreuungsplatz.

Kritisch reagierte Heinisch-Hosek auf die Aussagen von Wirtschaftskammer-Präsident Harald Mahrer, der Arbeitszeitverkürzung als Tod der österreichischen Wirtschaft bezeichnet hatte. „Das ist gerade jetzt ein Angriff auf die Beschäftigten in den Sozialberufen, die klar und deutlich gemacht haben, worum es bei ihrer Forderung nach einer 35-Stunden-Woche geht. Die Anforderungen sind enorm und viele sind gezwungen, Teilzeit zu arbeiten. Langfristig müssen Sozialberufe attraktiver werden. Schon jetzt gibt es einen Personalnotstand. In Zukunft wird sich das noch verschlimmern, wenn nichts geschieht. Arbeitszeitverkürzung ist eine absolut notwendige Maßnahme“, so Heinisch-Hosek.

Bezahlte und unbezahlte Arbeit muss besser zwischen Frauen und Männer aufgeteilt werden, so Heinisch-Hosek. „Frauen brauchen ein Einkommen, von dem sie leben können. Es ist gut, dass wir vergangenes Jahr im freien Spiel der Kräfte die gesetzliche Anrechnung der Karenzzeiten durchsetzen konnten. Jetzt muss es rasch weitergehen. Wir wollen nicht mehr warten, bis sich die Lohnschere schließt“, so Heinisch-Hosek.

Einkommenstransparenz und harte Sanktionen statt weiteren Lippenbekenntnissen

“Bis zum heutigen Faschingsdienstag haben Frauen in Österreich im Jahr 2020 genau null Euro verdient. Was klingt wie ein geschmackloser Faschingsscherz, ist für Frauen seit jeher bittere Realität“, sagt Evelyn Regner, Vorsitzende des Ausschusses für Frauen und Gleichstellung im Europaparlament. Nach Berechnungen der BPW (Austria Business and Professional Women) verdienen Frauen im Schnitt um 15,2 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen, sie arbeiten also 56 Arbeitstage ohne Bezahlung. Die SPÖ-Europaabgeordnete kommentiert: „Das ist ungerecht und eines der zentralen Hindernisse für Frauen unabhängig und selbstbestimmt zu leben. Der Grundsatz, dass Frauen und Männer gleich bezahlt werden müssen, ist seit 1957 in den EU-Verträgen verankert. Für Lippenbekenntnisse und Beschwichtigungen fehlt mir mittlerweile jede Geduld. Frauen können nicht noch 100 Jahre warten, bis man ihre Arbeit vielleicht endlich gleich wertschätzt, wie die von Männern. Es sollen nicht erst meine Urenkel in einer gerechteren Welt leben.“

Regner weiter: „Obwohl das Verbot der Diskriminierung aufgrund des Geschlechts – gerade auch bei der Bezahlung – im EU-Recht festgeschrieben ist, sind wir davon in der Realität noch weit entfernt. Die EU-Kommission muss ein Gesetz vorschlagen, damit sich das ändert. Island könnte hier zum Vorbild für die EU werden. Wer dort gleiche Arbeit nicht gleich bezahlt, muss mit saftigen Geldstrafen rechnen. Sanktionen und Zwang zur Lohntransparenz sind der einzige Weg, um die Gehaltsschere zwischen Männern und Frauen schneller zu schließen. Ein solcher Vorstoß muss das Herzstück der neuen EU-Gleichbehandlungsstrategie sein, die Anfang März von der EU-Kommission präsentiert wird.“

Fakten rund um den Equal Pay Day:

Frauen in Österreich verrichten 56 Tage unbezahlte Lohnarbeit, schreibt Bate Hausbichler im Standard online und beschreibt die erklärenden, deshalb nicht weniger unfairen Erklärungen. https://www.derstandard.at/story/2000114798319/equal-pay-day-weniger-einkommen-weniger-macht-mehr-gratisarbeit?ref=rec 25.2.2020

Diese Lohnschere wird immer wieder heftig debattiert. Wohl auch, weil viele unterschiedliche Zahlen dazu kursieren. Vergleicht man nur die Bruttojahreseinkommen, liegt der Unterschied hierzulande bei ca. 37 Prozent. (Siehe Statistik Austria https://www.statistik.at/web_de/statistiken/menschen_und_gesellschaft/soziales/personen-einkommen/jaehrliche_personen_einkommen/index.html) 25.2.2020

Diese Kluft ergibt sich beispielsweise durch Teilzeitarbeit, weil Mütter öfter die Kinder betreuen als Väter. Oder weil Männer häufiger in Führungspositionen sind und deshalb besser bezahlt werden. https://www.derstandard.at/story/2000115005061/mercer-bereinigter-gender-pay-gap-bei-6-6-prozent 25.2.2020

Der um weitere Faktoren bereinigte Pay Gap, also Position, Branche, Arbeitszeit und so weiter, liegt in Österreich bei 13,6 Prozent. Das ist also der verbleibende Rest, wenn man sämtliche Faktoren herausrechnet, die die Lohnkluft erklären können. Demnach könnte es sich bei den 13,6 Prozent um Lohndiskriminierung handeln, allerdings könnten auch erklärbare Faktoren reinspielen, die man allerdings noch nicht kennt. https://www.derstandard.at/story/2000114811872/equal-pay-day-was-sie-schon-immer-wissen-wollten-aber?ref=rec 25.2.2020

Was Island anders macht und damit Vorbild in Sachen Gender Pay Gap ist

In Island gibt es den niedrigsten Gender Pay Gap im Verhältnis zur Erwerbsbeteiligung. „Der Lohnschere bei gleichen Stunden und gleichwertiger Arbeit beträgt knapp sechs Prozent. In Island hat man sich die beobachtbaren Faktoren des Gender Pay Gap angesehen und genau bei diesen mit Maßnahmen angesetzt. Problem: Zu hoher Anteil von Teilzeit bei Frauen? Lösung: Flächendeckende Kinderbetreuung und eine Karenzregelung, bei der Männer und Frauen ihre Karenz fair verteilen müssen, wenn sie keine finanziellen Einbußen möchten. Heute gehen in Island 80 Prozent der Männer in Karenz, und zwar mindestes drei Monate und länger. In Österreich sind es gerade mal fünf Prozent, und von denen gehen die meisten maximal zwei Monate in Karenz.

Auch das Verbot, bei gleichwertiger Arbeit ungleich zu bezahlen, trägt zur gering ausgeprägten isländischen Lohnschere bei. Unternehmen müssen vorweisen, dass sie für gleichwertige Arbeit gleich viel bezahlen. "Damit hat man auch auf Betriebsebene stark zu einer Bewusstseinsbildung angestoßen", lobt Mader das Gesetz. Das Spannende am Island-Beispiel sei auch, dass die Kontrollarbeit durch die Sozialpartnerschaft passiert. "Es liegt auf der Hand, dass wir für Österreich etwas Ähnliches angehen könnten, nachdem wir hier ähnliche Strukturen in Hinblick auf die Sozialpartnerschaft haben." https://www.derstandard.at/story/2000114798319/equal-pay-day-weniger-einkommen-weniger-macht-mehr-gratisarbeit?ref=rec 25.2.2020

 

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