Bezirksorganisation Mödling

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Zeitreise: Geschichte der Sozialdemokratie

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Bertolt Brecht: Fragen eines lesenden Arbeiters

Wer baute das siebentorige Theben?
In den Büchern stehen die Namen von Königen.
Haben die Könige die Felsbrocken herbeigeschleppt?
Und das mehrmals zerstörte Babylon,
wer baute es so viele Male auf? In welchen Häusern
des goldstrahlenden Lima wohnten die Bauleute?
Wohin gingen an dem Abend, wo die Chinesische Mauer fertig war
die Maurer? Das große Rom
ist voll von Triumphbögen. Wer errichtete sie? Über wen
triumphierten die Cäsaren? Hatte das vielbesungene Byzanz
nur Paläste für seine Bewohner? Selbst in dem sagenhaften Atlantis
brüllten in der Nacht, wo das Meer es verschlang
die Ersaufenden nach ihren Sklaven.

Der junge Alexander eroberte Indien.
Er allein?
Cäsar schlug die Gallier.
Hatte er nicht wenigstens einen Koch bei sich?
Philipp von Spanien weinte, als seine Flotte
untergegangen war. Weinte sonst niemand?
Friedrich der Zweite siegte im Siebenjährigen Krieg. Wer
siegte außer ihm?

Jede Seite ein Sieg.
Wer kochte den Siegesschmaus?
Alle zehn Jahre ein großer Mann.
Wer bezahlte die Spesen?

So viele Berichte.
So viele Fragen.

Texte, Videos und Denkanstöße zur Geschichte der Sozialdemokratie – einfach zum Nachlesen & Mitmachen!

Brechts „Fragen eines lesenden Arbeiters“, das „Kommunistische Manifest“ von Karl Marx und Friedrich Engels sowie Victor Adlers ab 1888 veröffentlichte Reportagen "Die Lage der Ziegelarbeiter" über die damaligen unsozialen Arbeits- und Lebensbedingungen der Wienerberger Ziegelarbeiter sind drei beeindruckende Texte, die zur Auseinandersetzung mit der Geschichte der Sozialdemokratie einladen.

Wir wollen in dieser Artikelserie die Entwicklung der Arbeiterbewegung mit einem Schwerpunkt auf die Geschichte der österreichischen Sozialdemokratie in verständlicher Form darstellen und Sie/dich zu einer spannenden Zeitreise animieren.

Grundlage dieses Formates ist die Broschüre „Geschichte der Arbeiterbewegung im Geschichtsunterricht“ von Helmut Konrad und Karl Lenz (Institut für Sozial- und Wirtschaftswissenschaften der AK Oberösterreich), die ich bereits vor vielen Jahren als Basis für eine „Briefschule“ der SJNÖ verwenden durfte. Mit Mag.a Cornelia Rausch und Konstanze Flamm – denen ich für ihre inhaltliche und technische Unterstützung danke – habe ich versucht, eine zeitgemäße Umsetzung mit Videos, weiterführenden Links, Fotos und Literaturhinweisen aus dem Web zu erreichen. Die Texte sind keineswegs dogmatisch zu verstehen - vielmehr sollen sie zur kritischen Auseinandersetzung und Meinungsbildung anregen. Darüber hinaus ist geplant, zukünftig weitere Kapitel (Frauen, Jugend, Gewerkschaftsbewegung, sozialdemokratische Organisationen, Themen und Epochen etc.) einzufügen und – vielleicht auch mit deiner Unterstützung – weiter auszubauen, zu ergänzen aber auch zu korrigieren.

Wäre toll, wenn du mitmachen würdest!

Um den Austausch mit den NutzerInnen dieses Projektes einer neuen „Bezirksparteischule“ zu forcieren, können zu jedem Kapitel je drei Fragen per Online-Formular oder per Mail an zeitreise@noe.spoe.at beantwortet werden. Wer zumindest bei den ersten zehn Kapiteln mitmacht, wird mit einem Zertifikat belohnt und in der Folge zu gemeinsamen Events (z.B. Führung „Rotes Wien“, Besuch des Renner-Museums in Gloggnitz, exklusive HistorikerInnen-Talks etc.) eingeladen.

Ich freue mich auf eine gemeinsame Zeitreise durch die Geschichte der Arbeiterbewegung und verbleibe mit freundschaftlichen Grüßen.

LAbg. Hannes Weninger, SPÖ Bezirksvorsitzender

 

Die Geschichte aller bisherigen Gesellschaft ist die Geschichte von Klassenkämpfen

"Freier und Sklave, Patrizier und Plebejer, Baron und Leibeigener, Zunftbürger und Gesell, kurz, Unterdrücker und Unterdrückte standen in stetem Gegensatz zueinander, führten einen ununterbrochenen, bald versteckten, bald offenen Kampf, einen Kampf, der jedesmal mit einer revolutionären Umgestaltung der ganzen Gesellschaft endete oder mit dem gemeinsamen Untergang der kämpfenden Klassen." Marx/Engels (1848): Kommunistisches Manifest

Viktor Adler: Die Lage der Ziegelarbeiter 

"Der Arbeitslohn beträgt im Sommer 6 bis 7 Gulden wöchentlich: Im Winter sinkt er bis 4 Gulden und 20 Kreuzer. Man bedenke, schwere Arbeit in freier Luft und 10 Minuten vor den Toren Wiens. Aber wenn dieser elende Hungerlohn auch nur ausbezahlt werden würde! Diese armen Teufel sehen aber monatelang kein "gutes Geld", der dort übliche Ausdruck für das seltene Bargeld. Sondern zwei- bis dreimal täglich erfolgt die Auszahlung in "Blech", ohne dass auch nur gefragt wird, ob der Arbeiter es will und braucht. Noch mehr, wer kein Blech nimmt, wird sofort entlassen. Dieses Blech wird nur in den einzelnen Partien zugewiesenen Kantinen angenommen, sodass der Arbeiter nicht nur aus dem Werk nicht herauskann, weil er kein "gutes Geld" hat, sondern auch innerhalb des Werkes ist jeder einem besonderen Kantinenwirt als Bewucherungsobjekt zugewiesen. Die Preise in diesen Kantinen sind bedeutend höher als in dem Orte Inzersdorf. Ein Brot, das in Inzersdorf 4 Kreuzer kostet, muss der Ziegelarbeiter mit 5 Kreuzer Blech bezahlen. Ebenso sind Bier, Schnaps, Speck, Wurst und Zigarren in der Kantine entsprechend teurer, die Qualität der Nahrung ist natürlich die denkbar elendste. Im Gefühl seiner Macht sagte ein Wirt einem Arbeiter, der sich beklagte: "Und wenn ich in die Schüssel sch..., müsst ihr's auch fressen." Und der Mann hat recht, sie müssen." (weiterlesen)

 

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